Notar-Marketing trotz § 29 BNotO: So gewinnen Sie NoFas und Beteiligte

Notare stehen 2026 vor einer doppelten Marketing-Herausforderung. Zum einen ist der Fachkräftemangel bei Notarfachangestellten (NoFas) dramatischer als in fast jedem anderen Rechtsberuf. Zum anderen begrenzt § 29 BNotO die Werbemöglichkeiten enger als bei Steuerberatern oder Rechtsanwälten. Trotzdem ist seriöses Notar-Marketing möglich – sowohl für die Gewinnung qualifizierter NoFas als auch für die Sichtbarkeit gegenüber potenziellen Beteiligten. Der Schlüssel liegt in einer klaren Trennung: Pull-Marketing (Sichtbarkeit, Information, Auffindbarkeit) ist berufsrechtlich weitgehend zulässig, während Push-Marketing (gezielte Werbung um konkrete Beurkundungsaufträge) berufswidrig ist. Dieser Leitfaden zeigt, wie Notare beide Ziele rechtskonform erreichen – mit konkreten Kanälen, Beispielen und realistischen Zahlen.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar. Für die berufsrechtliche Prüfung konkreter Marketing-Maßnahmen empfehlen wir die Rücksprache mit der zuständigen Notarkammer. Für einen Überblick über das Werberecht bei Anwälten und Steuerberatern siehe unseren Beitrag Mandantenakquise und Berufsrecht.
Was darf ein Notar laut § 29 BNotO werblich tun?
§ 29 BNotO statuiert ein grundsätzliches Werbeverbot für Notare. Der Wortlaut ist klar: „Dem Notar ist Werbung untersagt, soweit sie nicht der notwendigen Information über seine Stellung als unabhängiger Inhaber eines öffentlichen Amtes dient." Das klingt zunächst nach einem fast vollständigen Verbot. Tatsächlich hat der Bundesgerichtshof (BGH) das Verbot jedoch in mehreren Entscheidungen präzisiert.
BGH 2018 („Notariat")
Der BGH hat 2018 bekräftigt, dass Notare ihre fachliche Spezialisierung sachlich darstellen dürfen. Eine Notariatsseite, die das Tätigkeitsspektrum (Grundstückskauf, Gesellschaftsrecht, Erbrecht) erklärt, ist zulässig – solange sie informativ und nicht reklamehaft auftritt.
BGH 2022 („Notar und Mediator")
2022 hat der BGH die Grenzen weiter konturiert. Eine zusätzliche Tätigkeit (im konkreten Fall: Mediator) darf neben der Notar-Tätigkeit sichtbar werden. Wichtig ist die klare Trennung der Rollen und die Wahrung der Amtswürde.
Was ist daraus praktisch ableitbar?
Zulässig sind im Wesentlichen:
- Sachliche Informationen über die Notar-Stelle, Tätigkeitsschwerpunkte, Gebühren nach GNotKG, Bürozeiten und Erreichbarkeit
- Fachliche Beiträge zu rechtlichen Themen ohne Auftragsbezug (Blog, Fachartikel, Vorträge)
- Suchmaschinenoptimierung für informationsorientierte Suchbegriffe („Grundbuch eintragen lassen", „Erbschein beantragen")
- Eine professionelle Website mit hohem Informationsgehalt
- Einträge in Verzeichnissen wie Notar-Suche der Bundesnotarkammer
Unzulässig bleiben:
- Werbung um konkrete Beurkundungsaufträge (Push-Marketing)
- Vergleichende Werbung gegenüber anderen Notaren
- Anpreisungen mit Superlativen („Der beste Notar in ...", „Marktführer")
- Gezielte Akquise einzelner Mandanten
- Anzeigenkampagnen mit klar werbendem Charakter
Die Logik: Wer sucht, darf den Notar finden. Aber der Notar darf nicht aktiv um Aufträge werben.
Was ist der Unterschied zwischen Pull- und Push-Marketing für Notare?
Diese Unterscheidung ist die wichtigste konzeptionelle Klarstellung für jedes Notar-Marketing-Konzept:
Pull-Marketing (zulässig)
Pull-Marketing macht das Notariat auffindbar für Menschen, die aktiv suchen. Die Person hat bereits ein Anliegen – sie braucht einen Notar für einen Grundstückskauf, eine Vorsorgevollmacht oder eine GmbH-Gründung. Die Marketing-Aufgabe ist, in diesem Moment sichtbar zu sein. Beispiele:
- Notar wird in Google gefunden bei der Suche „Notar Hamburg Eppendorf"
- Notar wird in ChatGPT genannt bei der Frage „Welche Schritte beim Hauskauf in Hamburg?"
- Notar wird empfohlen, weil seine Website klare Informationen zur Vorsorgevollmacht hat
- Notar steht im Verzeichnis der Bundesnotarkammer
Push-Marketing (unzulässig)
Push-Marketing drängt sich Menschen auf, die noch kein Anliegen haben. Die Person sucht gerade nichts, aber sie wird gezielt angesprochen. Beispiele:
- Werbeanzeige „Beurkunden Sie jetzt Ihren Erbvertrag bei uns" in Facebook
- Direktmailing an Hauseigentümer einer bestimmten Straße
- Telefonische Akquise bei Unternehmen für GmbH-Gründungen
- Provisionsbasierte Vermittlung mit Maklern oder Immobilienportalen
Die Trennlinie ist nicht der Kanal, sondern die Intention der Zielperson: Sucht sie aktiv – oder wird sie passiv angesprochen?
Wie gewinne ich als Notar systematisch Notarfachangestellte (NoFa)?
Hier liegt 2026 die größere Marketing-Aufgabe vieler Notariate. Laut Berichten der Bundesnotarkammer und der Personalberatung LegalProfession ist die NoFa-Suche „deutlich schwieriger als die ReFa-Suche im Anwaltsmarkt". Die Gründe sind strukturell:
Warum ist die NoFa-Gewinnung so schwierig?
- Geringe Bekanntheit: Der Beruf ist bei jungen Menschen kaum sichtbar. Wer kann den Beruf der NoFa konkret beschreiben?
- Begrenzte Ausbildungspipeline: Die Zahl der NoFa-Auszubildenden ist seit Jahren rückläufig.
- Konkurrenz zu ReFa und Steuerfachangestellten: Wer eine kaufmännisch-juristische Ausbildung sucht, hat viele Alternativen.
- Wechselbereitschaft niedrig: Etablierte NoFas verlassen ihr Notariat selten – die Bindung ist hoch.
- Image-Problem: Das Notariat gilt teilweise als konservativ und wenig digital.
Welche Recruiting-Kanäle funktionieren für NoFa-Gewinnung?
Aus der Beobachtung von Notariaten, die erfolgreich NoFas gewinnen, kristallisieren sich vier Hauptkanäle heraus:
1. Spezialisierte Job-Plattformen. Plattformen wie notara.de, KanzleiJobs.de oder regionale Notarkammer-Portale erreichen eine fokussierte Zielgruppe. Einträge sollten konkret sein – nicht „Notariat sucht Mitarbeiter", sondern „Notarfachangestellte (m/w/d) für Schwerpunkt Immobilienrecht in Hamburg-Eppendorf, 4 Tage-Woche möglich, überdurchschnittliche Vergütung".
2. Meta-Ads (Facebook und Instagram). Berufsrechtlich relevant: Recruiting-Werbung für Mitarbeiterstellen fällt nicht unter das Werbeverbot für Notar-Leistungen. Die Suche nach Personal ist von § 29 BNotO nicht erfasst, weil sie keine Werbung um Beurkundungsaufträge darstellt. Praktischer Effekt: Notariate dürfen mit Meta-Ads (etwa 4 € bis 12 € Cost-per-Click) gezielt NoFas und Quereinsteiger ansprechen – wenn klar ist, dass es sich um Stellenanzeigen handelt.
3. Quereinsteiger-Strategien. Viele erfolgreiche Notariate öffnen sich für Quereinsteiger aus Verwaltung, Steuerkanzleien oder Banken. Die Einarbeitung dauert länger, aber das Potenzial ist deutlich größer als der klassische ReNoFa-Markt. Marketing-Aufgabe: klare Quereinstiegs-Pfade beschreiben („Auch ohne NoFa-Ausbildung. Strukturiertes 12 Monats-Einarbeitungsprogramm").
4. Aktive Karriere-Präsenz auf der Website. Notariate, die NoFas gewinnen, haben in der Regel eine ausgebaute Karriere-Seite mit Team-Vorstellung, Tagesablauf, Weiterbildungsperspektiven und konkretem Gehaltsband. Die anonyme Stellenanzeige „Bewerbung an info@" funktioniert 2026 nicht mehr.
Was kostet NoFa-Recruiting realistisch?
Eine pragmatische Orientierung aus Erfahrungswerten:
- Job-Plattformen: 300 € bis 800 € pro Stellenanzeige je nach Plattform und Laufzeit
- Meta-Ads-Kampagne: 1.500 € bis 4.000 € pro Hire, abhängig von Region und Spezialisierung
- Personalberatung (LegalProfession und vergleichbare): 18 bis 30 Prozent Jahresgehalt bei Vermittlung
- Eigene Karriere-Seite und Recruiting-System: 5.000 € bis 15.000 € Aufbau, danach geringe laufende Kosten
Ein realistischer Cost-per-Hire für NoFas liegt 2026 zwischen 1.500 € und 5.000 €. Vor fünf Jahren waren 200 € bis 800 € die Norm – die Steigerung zeigt, wie der Markt sich verschoben hat.
Welche EVP (Employer Value Proposition) wirkt bei NoFas 2026?
Aus Bewerberbefragungen kristallisieren sich fünf Werttreiber heraus, die bei NoFas überdurchschnittlich wichtig sind:
- Geregelte Arbeitszeiten ohne Überstunden-Erwartung: NoFas schätzen die Planbarkeit des Notar-Tagesgeschäfts und verlieren sie ungern.
- Klare Spezialisierung: Wer weiß, dass er primär Immobilienrecht macht, kann sich tief einarbeiten – attraktiver als unstrukturierte Vielfältigkeit.
- Weiterbildung zum Notarfachwirt: Notariate, die die Fortbildung aktiv unterstützen (Zeit, Geld, Prüfungsfreistellung), gewinnen bei ambitionierten NoFas.
- 4 Tage-Woche oder Teilzeit-Modelle: Im Notariatsumfeld noch selten, aber stark differenzierend.
- Moderne digitale Ausstattung: Notariate mit zeitgemäßer Software, Dokumentenmanagement und sauberer Digitalisierung wirken attraktiver als verschriftete Büros.
Eine vertiefte Auseinandersetzung mit Arbeitgebermarken liefert unser Beitrag Employer Branding für Kanzleien.
Wie gewinne ich als Notar Beteiligte rechtskonform?
Die Pull-Marketing-Logik ist hier zentral. Notare sollen nicht aktiv um Beurkundungsaufträge werben, aber sie dürfen sichtbar sein für Menschen, die einen Notar suchen. Diese vier Kanäle sind 2026 die wichtigsten:
1. Local SEO und Google My Business
Die meisten Beteiligten suchen über Google: „Notar + Stadt + Stadtteil" oder „Notar in der Nähe". Ein optimiertes Google-My-Business-Profil mit:
- Vollständigen Daten (Adresse, Öffnungszeiten, Erreichbarkeit)
- Hochwertigen Fotos der Kanzlei (außen und innen)
- Sachlich beschriebenen Tätigkeitsschwerpunkten
- Aktuellen Öffnungszeiten auch für Feiertage und Brückentage
- Antworten auf Fragen in der Q&A-Sektion
...ist die Grundlage. Bewertungen sind heikler: Notare dürfen nicht aktiv um Bewertungen werben, aber organisch entstandene Bewertungen sind zulässig.
2. Informations-Website mit hohem inhaltlichen Mehrwert
Eine Notar-Website, die Beteiligten echte Information bietet, ist das wichtigste Pull-Asset. Beispiele für berufsrechtskonforme Inhalte:
- „Ablauf einer Beurkundung bei Grundstückskauf"
- „Unterlagen für eine Vorsorgevollmacht"
- „Hinweise zur Gründung einer GmbH"
- „Kosten der Beurkundung nach GNotKG"
- „FAQ zu erbrechtlichen Beurkundungen"
Wichtig: Die Inhalte dürfen nicht zur Akquise konkreter Mandanten missbraucht werden. Sie müssen den Charakter neutraler Information behalten – vergleichbar mit einer notariellen Sprechstunde, die online verschriftet wurde.
3. Suchmaschinenoptimierung (SEO) für informationsorientierte Keywords
Informationsorientierte Keywords sind berufsrechtlich unproblematisch – sie sind keine Werbung um Aufträge, sondern Hilfe für Suchende. Beispiele:
- „Grundstückskaufvertrag wie läuft die Beurkundung ab"
- „Vorsorgevollmacht beim Notar Kosten"
- „Erbschein beantragen Berlin"
- „GmbH gründen Notar Verfahren"
Wer hier rankt, wird von Beteiligten gefunden, die bereits einen Notar suchen. Das ist klassisches Pull-Marketing.
4. GEO (Generative Engine Optimization) für KI-Suchen
2026 fragen Beteiligte zunehmend ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews: „Wie läuft ein Grundstückskauf in Deutschland ab? Was macht der Notar?" oder „Welchen Notar in Hamburg kann ich für eine Vorsorgevollmacht aufsuchen?". Wer in diesen KI-Antworten genannt wird, gewinnt enormen Trust-Bonus. Für Notariate ist GEO besonders interessant, weil die KI-Engines hochinformativen Content bevorzugen – genau das, was berufsrechtlich erlaubt ist. Vertiefung im Beitrag SEO und GEO für Anwälte und Notare 2026.
Welche Kanäle sind für Notare berufsrechtlich problematisch?
Diese Kanäle sind im Notar-Marketing eher mit Vorsicht zu betrachten:
Google Ads (SEA)
Bezahlte Anzeigen mit klar werbendem Charakter („Jetzt Beurkundungstermin sichern") sind berufsrechtlich problematisch. Informative Google Ads, die sachlich auf das Notariat hinweisen, sind in der Praxis allerdings teilweise verbreitet. Hier empfehlen wir eine klare Rücksprache mit der Notarkammer vor Kampagnenstart – die Auslegung kann regional unterschiedlich sein.
Social Media-Anzeigen mit Beurkundungsbezug
Meta-Ads, die direkt um Beurkundungsaufträge werben, sind unzulässig. Anzeigen für Recruiting (NoFa-Stellen) und allgemeine Informationsbeiträge („FAQ zur Vorsorgevollmacht") sind hingegen unkritisch.
Influencer-Marketing und Affiliate-Modelle
Provisionsbasierte Vermittlungen widersprechen dem Wesen des notariellen Amtes. Influencer-Kooperationen, bei denen Reichweite gegen Empfehlung getauscht wird, sind problematisch.
Direktmailings und Cold-Outreach
Das gezielte Ansprechen einzelner Personen ohne deren Anliegen ist klassisches Push-Marketing und fällt eindeutig unter das Werbeverbot.
Wie kombiniere ich NoFa-Recruiting und Beteiligten-Sichtbarkeit strategisch?
Beide Marketing-Aufgaben verstärken sich gegenseitig. Eine integrierte Strategie für ein mittelgroßes Notariat sieht etwa so aus:
Fundament: Klare Website-Architektur
- Öffentliche Notariats-Seite mit Tätigkeitsschwerpunkten, Sprechzeiten, Kontakt
- Inhaltliche Tiefe in Form von FAQ-Bereichen und Fachbeiträgen zu typischen Beurkundungsthemen
- Karriere-Bereich mit konkreten Stellenanzeigen, Team-Vorstellung, Weiterbildungsangeboten
Layer 1: Beteiligten-Sichtbarkeit (Pull-Marketing)
- Local SEO und Google My Business optimieren
- 10 bis 30 Fachbeiträge zu Beurkundungsthemen aufbauen
- GEO-Optimierung: Inhalte direkt Antwort-orientiert strukturieren, FAQ Page-Schema einbauen
- Eintrag in Notar-Suche der Bundesnotarkammer pflegen
Layer 2: NoFa-Recruiting (aktiver erlaubt)
- Karriere-Seite mit Tagesablauf, Team, Werten, Weiterbildung, Gehaltsband
- Meta-Ads für Recruiting (klar als Stellenanzeige erkennbar)
- Eintrag in notara.de und vergleichbaren Plattformen
- Quereinsteiger-Pfad explizit beschreiben
Layer 3: Synergie-Effekte
Eine starke Beteiligten-Sichtbarkeit stützt das NoFa-Recruiting. Wenn das Notariat als modern und erfolgreich wahrgenommen wird, kommen mehr Bewerbungen. Und umgekehrt: Eine starke Arbeitgebermarke macht das Notariat auch für Beteiligte attraktiver, weil Stabilität und Professionalität sichtbar werden.
Welche Fehler machen Notariate beim Online-Marketing?
Aus der Beobachtung vieler Notariate zeichnen sich diese Fehler immer wieder ab:
- Zu defensives Marketing aus Angst vor § 29 BNotO. Viele Notariate verzichten völlig auf Online-Marketing, weil sie das Werbeverbot überinterpretieren. Tatsächlich ist informationsorientiertes Pull-Marketing weitgehend zulässig.
- Push-Marketing in Form von Anzeigen mit Auftragsfokus. Werbung wie „Jetzt Beurkundung sichern" überschreitet die Grenze. Die Notarkammer interveniert bei solchen Kampagnen regelmäßig.
- Karriere-Seite mit anonymer Stellenausschreibung. „Bewerbung an info@" ohne Team-Vorstellung, ohne Gehaltsband, ohne Tagesablauf. NoFas wechseln nicht zu solchen Anbietern.
- Keine Klarheit zwischen Notar- und Recruiting-Marketing. Wer beides in dieselbe Kampagne mischt, verwirrt nicht nur die Zielgruppe, sondern bringt auch das Notar-Marketing in berufsrechtliche Grauzonen.
- Fehlende GEO-Optimierung. Notariate werden in KI-Suchen kaum genannt, weil die Inhalte nicht direkt Antwort-strukturiert sind. Eine schnelle Anpassung schafft hier einen Wettbewerbsvorteil.
- Bewertungsstrategie ignorieren. Zwar darf nicht aktiv um Bewertungen geworben werden, aber die vorhandenen Bewertungen sollten zumindest gepflegt und beantwortet werden.
- Veraltete Website. Notariate mit Websites aus 2010 wirken auf Beteiligte und NoFas gleichermaßen unprofessionell. Eine moderne, mobil optimierte Site ist kein Luxus, sondern Basis.
Häufig gestellte Fragen zum Notar-Marketing
Darf ein Notar Google Ads schalten?
Berufsrechtlich ist das eine Grauzone. Anzeigen mit klar werbendem Charakter („Jetzt buchen") sind unzulässig. Anzeigen mit rein informativem Charakter werden teilweise toleriert. Empfehlung: Vor Kampagnenstart Rücksprache mit der zuständigen Notarkammer.
Darf ein Notar Bewertungen auf Google sammeln?
Aktiv um Bewertungen werben ist unzulässig. Organisch entstandene Bewertungen sind zulässig. Eine pauschale Aufforderung an alle Beteiligten am Ende einer Beurkundung gilt als berufswidrig.
Darf ein Notar Social Media-Aktivität haben?
Ja, sofern sie informationsorientiert ist. Fachbeiträge auf LinkedIn zu rechtlichen Themen, Hinweise auf Sprechstunden oder Quellen zu Fortbildungen sind zulässig. Werbung um konkrete Beurkundungen ist unzulässig.
Was kostet eine professionelle Notar-Website?
Eine moderne Website mit Karriere-Bereich, FAQ-Bereichen und SEO-Grundlage kostet typischerweise zwischen 8.000 € und 25.000 € einmalig plus 200 € bis 800 € monatlich für Pflege, Updates und Hosting.
Wie lange dauert es, bis Notar-SEO wirkt?
Bei sauberer Umsetzung erscheinen erste relevante Rankings nach 4 bis 8 Monaten. Stabile Top-Positionen für informationsorientierte Suchanfragen entstehen nach 9 bis 15 Monaten.
Was ist der Unterschied zwischen Notar-Marketing und Anwalts-Marketing?
Der zentrale Unterschied ist das Werbeverbot des § 29 BNotO. Während Anwälte unter § 43b BRAO deutlich mehr werblichen Spielraum haben (inklusive Direktwerbung um Mandate), müssen Notare auf Pull-Marketing setzen. Push-Kanäle wie Direktwerbung sind im Notariatsbereich grundsätzlich tabu.
Wie gewinne ich als Notariat in der Provinz NoFas?
Schwieriger als in Metropolen, aber möglich. Drei Hebel: lokale Präsenz auf Berufsschulen und Karrieremessen, ausgebaute Quereinsteiger-Strategie, regionale Meta-Ads mit klaren Vorteilen (Wohnortnähe, kurze Arbeitswege, lokale Verbundenheit). Cost-per-Hire ist höher, aber bei klarer EVP machbar.
Lohnt sich Recruiting durch Personalberatung für Notariate?
Bei Schlüsselpositionen (Büroleitung, erfahrener Notarfachwirt) lohnt sich Personalberatung trotz Honorar von 18 bis 30 Prozent Jahresgehalt häufig. Bei NoFa-Standardstellen ist eigenes Recruiting über Meta-Ads und Jobportale oft günstiger.
Welche Schema-Markups sind für Notariats-Websites sinnvoll?
Mindestens vier: LocalBusiness (oder spezifisch Notary, wenn verfügbar), Person für den Notar, FAQ Page für FAQ-Bereiche, BreadcrumbList für Navigation. JobPosting für offene Stellen ergibt Sinn, wenn diese auf der Website beworben werden.
Fazit: Pull-Marketing ist der Schlüssel für seriöses Notar-Marketing 2026
Das Werbeverbot des § 29 BNotO ist strenger als die Werbevorschriften für Anwälte oder Steuerberater. Es bedeutet aber keineswegs, dass modernes Notar-Marketing unmöglich ist. Wenn du die Trennung zwischen zulässigem Pull-Marketing und unzulässigem Push-Marketing verinnerlichst, hast du ausreichend Spielraum, um sowohl für Beteiligte sichtbar zu werden als auch qualifizierte Notarfachangestellte zu gewinnen.
Die wichtigste Erkenntnis für 2026: NoFa-Recruiting fällt nicht unter das Werbeverbot. Viele Notariate sind hier unnötig zurückhaltend, weil sie berufsrechtliche Risiken befürchten. Dabei gehören Recruiting-Anzeigen, Karriere-Seiten, Arbeitgebermarketing und Quereinsteiger-Kampagnen zu den wirksamsten und zugleich zulässigen Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen.
Auch bei der Gewinnung neuer Beteiligter gibt es mehr Möglichkeiten, als viele Notare vermuten. Informationsorientierte Inhalte, Local SEO, GEO und ein professioneller Online-Auftritt folgen der Pull-Logik und sind daher berufsrechtlich grundsätzlich unproblematisch. Wer einen Notar sucht, soll ihn finden können. Das ist keine unzulässige Werbung, sondern ein zeitgemäßer Service für Beteiligte.
Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele Maßnahmen gleichzeitig umzusetzen. Erfolgreiche Notariate konzentrieren sich auf die Kanäle, die zu ihrem Standort, ihrer Zielgruppe und ihren personellen Herausforderungen passen.
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